
In den neunziger Jahren des XVI. Jahrhunderts, der Blüthezeit der astro-meteorologischen
Literatur in Deutschland, erschienen also durchschnittlich im Jahr nicht weniger als zwölf
Practica, im Jahre 1597, deren sogar zwanzig. Der Vergleich der Kurve 1a, welche die Zahl der
in den einzelnen Jahren erschienenen Practica repräsentirt, mit dem entsprechenden Zeitraum in
Kurve I zeigt aufs deutlichste, dass bis gegen das Jahr 1600 die meteorologische Literatur fast
ausschliesslich eine solche der Practica gewesen ist.
Nicht minder charakteristisch erscheint der rasche Niedergang der Kurve I am Anfange des
XVII. Jahrhunderts und, a/jointfilesconvert/330930/bgesehen von den vielfachen Schwankungen einzelner Jahre, der
horizontale Verlauf derselben während des ganzen Säkulums, so zwar, dass die Gesammtzahl
der auf die beiden Jahrhunderte entfallenden Schriften (611, bezw. 690) einander fast
gleichkommen. Die traurige politische und sociale Lage Deutschlands, insbesondere während
und nach dem dreissigjährigen Kriege, trägt zweifelsohne die Hauptschuld an diesem
langdauernden Stillstand, der erst gegen das Jahr 1715 einer entschieden aufsteigenden
Bewegung Platz macht.
Dass auch im weiteren Verlauf der Kurve bis auf die Neuzeit die politischen Verhältnisse
Deutschlands sich deutlich wiederspiegeln, wird der mit der vaterländischen Geschichte
Vertraute sogleich wahrnehmen, wesshalb mir ein näheres Eingehen auf diese Beziehungen
unnöthig erscheint. Andeuten möchte ich hier nur noch, dass auch die Witterungsverhältnisse
selbst einen grossen Einfluss auf die Zahl der einschlägigen Schriften ausüben und dass gewisse
Sprünge in der Kurve lediglich daher rühren; so rufen z. B. der ungewöhnlich kalte Winter 1740,
das prachtvolle Nordlicht vom 7. Januar 1831 u. s. w. auch aussergewöhnlich viel Publikationen
über diese Erscheinungen hervor.
Der Aufschwung in der Produktion meteorologischer Schriften (und Erfindungen) in den letzten
Decennien ist so gewaltig, dass die Zahl der im Jahrzehnt 1872–1881 erschienenen grösser als
die der beiden Jahrhunderte von 1500–1699 und beinahe gleich der des ganzen vorigen
Jahrhunderts ausfällt.
Ich schätze die gegenwärtig jährlich erscheinende Zahl von Schriften auf dem Gebiete der
Meteorologie und des Erdmagnetismus beiläufig zu 800 überhaupt. Wollte man
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dieselben sämmtlich bloss durchlesen, so müsste man jeden Tag im Jahre deren mehr als zwei
erledigen, was vielleicht nicht einmal Demjenigen möglich sein dürfte, welcher nur Genuss im
Aufnehmen, nicht auch im Schaffen, empfindet. Ich möchte daher bei dieser Gelegenheit
nochmals hervorheben, was ich bislang mit den europäischen Fachleuten mündlich besprochen
habe, dass ein von Mehreren herauszugebender umfassender Jahresbericht über die Fortschritte
der Meteorologie ein dringendes Bedürfniss ist, ebenso wie die Zusammenfassung des bisher
Geleisteten in einem allgemeinen Kataloge, zu dessen Herstellung ja einige Aussicht vorhanden
zu sein scheint.
Bei der Auszählung der Schriften nach dem Jahre ihrer Publikation ist zugleich Unterscheidung
darnach getroffen worden, ob dieselben selbstständige Werke oder Abhandlungen sind. Die
Literatur der wissenschaftlichen Periodica nimmt bekanntlich erst kurz vor der Mitte des XVII.
Jahrhunderts ihren Anfang und gewinnt im Laufe der Zeit eine stets wachsende Bedeutung, so
dass gegenwärtig in der Meteorologie, wie in allen anderen Wissenschaften, die in Periodicis
niedergelegten Abhandlungen den Hauptfortschritt ausmachen. Diese Thatsache veranschaulicht
die folgende Tabelle, in der für fünfjährige Zeiträume die Zahl der selbstständigen Schriften und
der Abhandlungen gesondert aufgeführt werden, aufs deutlichste. Bemerkt sei noch, dass
Programme, Disputationen, Dissertationen, D. R. P. (Patente) u. a. zu den selbstständigen
Schriften gezählt wurden.
Selbst-
ständige
Schriften
Ab-
hand-
lungen
1666 – 70 34 5
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